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Unsere Ausstellung AUS DREI ZYKLEN zeigt eine kleine Auswahl von Gemälden, die im Katalog der Wanderausstellung NEW EMPIRE publiziert wurden sowie Radierungen, die jeweils zu 70 Blatt in den Mappen Ödland und Metropolis zusammengefaßt sind. Außerdem enthält unser Katalog Gemälde, die noch nie veröffentlicht wurden - einige Werke aus frühester Schaffenszeit - andere, die erst im Laufe des Jahres 2005 entstanden sind. Maxim Kantor schnitt für uns 4 Linolplatten, deren Originalabzüge in allen Katalogen enthalten sind. Auch das Plakat wurde von diesen Platten als Originalgraphik gedruckt.

Wie ist es dazu gekommen, daß unsere alte, 1920 gegründete und auf die Kunst der deutschen Expressionisten und die der 20er Jahre spezialisierte Galerie den jungen, erst 1957 in Moskau geborenen Maxim Kantor ausstellt ? Es ist der vorläufige Höhepunkt einer längeren Geschichte. Sie beruht auf der Freundschaft zu Eva-Maria Lüpfert, die bis zu ihrem frühen Tode in Isernhagen bei Hannover eine sehr renommierte Galerie besaß. Sie hatte schon früh nach der "Entdeckung" von Kantor durch Henri Nannen den Künstler und seine Freunde ausgestellt und war am 4. November 1991 zur Vernissage der zweiten Kantor-Einzelausstellung der Galerie Eva Poll nach Berlin gekommen. Mit ihr zusammen nahm ich an der Eröffnung teil und lernte Maxim kennen, als wir auf Einladung von Frau Poll lange beim "Italiener" beisammen saßen.

Am Vormittag des 5.11. besuchten Eva-Maria und Maxim unsere Galerie. Die große Anzahl expressionistischer Kunst, der Brücke und daneben die engagierten Werke von Otto Dix und George Grosz begeisterten Maxim sofort. Auch ich war von seiner Kunst, die dem Expressionismus nahe steht und sehr gesellschaftskritisch ausgerichtet ist, stark berührt.

Deshalb entstand sofort ein intensiver persönlicher Kontakt. Maxim wünschte Papier, um ein Porträt von mir zu zeichnen. Es sollte möglichst groß sein. Gleichzeitig machte ich von ihm eine kleine Zeichnung - gewissermaßen im Austausch. Sein Blatt wird jetzt zum ersten Mal gezeigt.

Seither bestehen zwischen uns freundschaftliche Kontakte. Seit einigen Jahren hatte Maxim den Wunsch bei uns auszustellen. Ich habe dies bis vor kurzem abgelehnt, da es ja eine langjährige und sehr positive Verbindung zur Galerie Eva Poll gab. Erst als sich diese jetzt definitiv löste, sind wir Kantors Wunsch nachgekommen. Wir freuen uns, seine hochinteressante Ausstellung zeigen zu können. Dies umso mehr, als es auch ein spezielles Jubiläum zu feiern gilt: Es ist genau 50 Jahre her, daß meine Frau und ich mit einer ersten Ausstellung in Berlin-Tempelhof die Galerie Nierendorf zu neuem Leben erweckten.

Kantors Werke entsprechen nicht den Moden der Zeit. Umso stärker werden sie der Gegenwart gerecht, befassen sich mit den aktuellen Problemen, Mißständen und Verbrechen. Es sind keine schönen Dekorationen sondern unbequeme Anklagen an die Gesellschaft. Vornehmlich in seiner Graphik sehen wir eine direkte Linie, die über Goyas Desastres de la guerra und die Radierungen der Krieg von Otto Dix zu den Zyklen Ödland und Metropolis führt. Und das nicht nur in der Thematik sondern auch in der Qualität.

Berlin, im September 2005 Florian Karsch

 











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