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Brief an Florian Karsch am 10. 08. 1981

Vor einem Vierteljahrhundert starb Gerhard Marcks

 

Aus dem besonderen Anlaß wollen wir in dieser so schnell dahin lebenden Zeit an den großen deutschen Bildhauer erinnern, dessen so bedeutendes und umfangreiches Werk uns über 40 Jahre in unserer Galerie begleitet hat. Ab 1964 sind es nun elf Einzelausstellungen, die wir seinem Schaffen widmeten. Viele Briefe mit seinen treffenden Äußerungen zur Zeit und zur Kunst hat er mir geschrieben, alle in seiner so schönen und lesbaren Handschrift. So klar und wach, daß man sein Alter vergaß, humorvoll und in der letzten Zeit auch ganz bewußt sich dem nahendem Ende seines Lebens stellend. Den letzten dieser Briefe vom 10.August 1981 bilden wir hier noch einmal ab, in dem zarten Tintenblau des Originals. Am Ende zitiert er Angelus Silesius, noch wissend, daß ich in Schlesien geboren wurde.

Zum Werk von Gerhard Marcks und zu seiner Bedeutung möchte ich mich aus Anlaß dieser Ausstellung nicht äußern - es liegt mir ohnehin nicht, deutend oder gar urteilend über Kunst oder Künstler zu schreiben. Das rein Faktische ist mehr nach meinem Geschmack und es sind da andere Autoren kompetenter und fleißiger. Nur soviel möchte ich sagen, auch im Zusammenhang mit seinem letzten Brief und seinem Inhalt. Was er damals schon als "Chamäleon" bezeichnete, hat sich inzwischen zu einem bedrohlichen Drachen entwickelt, der die Kunst, die Marcks liebte, zu verschlingen droht. Der Funke in der Asche, er muß noch eine ganze Weile im Geheimen glühen. Erst eine kommende Generation wird sich wohl von dem lösen, was heute so laut die Szene beherrscht und sich vielleicht erstaunt fragen, weshalb manch gegenwärtiges Schaffen der Bildhauerei zugeordnet wurde. Erst dann wird man die Bedeutung derjenigen Künstler richtig einschätzen, die sich nicht im Strom der Zeit verirrten.

 

Berlin im September 2006

Florian Karsch

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