WillkommenÜber unsKünstlerAusstellungenKatalogeKontaktzurück

 

 

Die Galerie Nierendorf ist dafür bekannt, daß sie die Kunst des Deutschen Expressionismus und die der Künstler aus dem Bereich der "Neuen Sachlichkeit" vertritt. Die "Klassische Moderne" und die Kunst der 20er Jahre sind Schwerpunkte unserer Galerie. Als meine Frau und ich unter dem Namen meiner Mutter Meta Nierendorf die Galerie 1955 zu neuem Leben erweckten, haben wir uns wieder mit den gleichen Künstlern befaßt. Sie waren nun größtenteils zwar "berühmt", sie hatten jedoch meist wirtschaftlich schwer zu kämpfen. Das allgemeine Interesse im Kunstbetrieb und im Kunsthandel galt der abstrakten, gegenstandslosen und informellen Kunst, wie sie von den USA nach der Befreiung propagiert wurde. Mit unserer Ausstellungstätigkeit, die der Zeitströmung entgegengerichtet war, haben wir diesen Künstlern auch ökonomisch zu neuer Anerkennung verholfen.
Allerdings haben wir nach 1955 auch viele zeitgenössische Künstler alternativ zu den "Klassikern" gezeigt.
Gegenwärtig gilt das für die Arbeiten von Maxim Kantor, dem wir 2005 eine repräsentative Ausstellung ausrichteten. Daß wir jetzt erneut eine Kantor-Ausstellung machen, die den Titel VULCANUS trägt ist in der Tradition der Galerie Nierendorf begründet und entspricht auch meiner Einstellung zur Bildenden Kunst. Ein reines "l'art pour l'art" und eine völlig unpersönliche Kunst, wie sie z.B. Gerhard Richter für sich postuliert hat, kann ich nicht akzeptieren. Ich halte eine individuelle, aus dem eigenen Inneren kommende, engagierte und Stellung nehmende Kunst für unabdingbar.
Das von uns jetzt präsentierte Mappenwerk VULCANUS ist ein aktuelles, wenn nicht gar vorausschauendes Beispiel und Zeugnis von Kunst, die auch politisch wirken will und zwar in der Nachfolge von Goya, Grosz und Dix. Karl Nierendorf verlegte 1924 das Mappenwerk DER KRIEG mit 50 Radierungen von Otto Dix. Maxim Kantor schuf 1999-2001 die 70 Radierungen ÖDLAND, die die Mißstände in Rußland während der Stalin-Zeit und danach zum Thema haben. 2003 veröffentlichte er sein Mappenwerk METROPOLIS mit ebenfalls 70 Blättern. Darin schildert er die mondiale Vernetzung von Politik, Religion, Verbrechen, Kapital und den Medien, die für einfache Menschen katastrophale Auswirkungen hat. METROPOLIS kann als eine Warnung vor der Krise von 2008 bis heute gedeutet werden.
Und nun VULCANUS als Vorschau auf die Zukunft? Der Rückblick auf das 20. Jahrhundert mit seinen weltweiten Katastrophen und die karikaturhafte Bloßstellung vieler Verursacher und Beteiligter erneut als Warnung? Diese Blätter zu zeigen, das kann keine schöne Ausstellung geben. Aber vielleicht eine wichtige? Wenn ich Karl und Josef Nierendorf fragen könnte, ob ich diese Ausstellung wagen soll – würden sie zustimmen? Ich glaube: Ja! In diesem Sinne wünsche ich der Ausstellung Erfolg und große Beachtung

Berlin im März 2011 Florian Karsch

 











zurück